Forschungsplattform

Hellmich, Elisabeth:

Forever young? Die "Unsichtbarkeit" alter Frauen, insbesondere im Kontext des Feminismus 

Universität Wien, Fakultät für Human- und Sozialwissenschaften, Institut für Soziologie

Wien, Univ., Diss., 2006 

 

Meine soziologische Dissertation verbindet die Forschungsbereiche Geschlechterdifferenz und Alter. Das Paradigma der verstehenden Soziologie sowie die Methodologie der qualitativen Sozialforschung bilden den theoretischen bzw. methodischen Rahmen. Der Themenwahl und den Untersuchungen liegt ein feministisch geleitetes Erkenntnisinteresse zu Grunde.

 

Die Ausgangsthese lautet: Alte Frauen sind in der Gegenwartsgesellschaft weitgehend unsichtbar oder werden in klischeehafter, nichts realitätsgerechter und oft abwertender Weise dargestellt.

Den Brennpunkt der Untersuchungen bildet der Altersdiskurs im Kontext des Feminismus. Die zentrale Frage lautet daher: Zeigt sich feministischen Bereich ein (wesentlicher) Unterschied gegenüber der allgemein wahrnehmbaren Alter(ns)-Diskussion in der westlichen Gegenwartsgesellschaft? Um eine Vergleichsbasis für die Untersuchungen auf feministisch geprägtem Terrain zu gewinnen, diskutiere ich zunächst das Thema „Alter“ und stelle es dann in seiner besonderen Relevanz für Frauen dar. Die Auswirkungen von Mehrfachdiskriminierungen auf die mangelnde öffentliche Präsenz und Repräsentanz alter Frauen werden aufgezeigt. Darauf folgen die Auseinandersetzung mit tradierten Bildern, mit aktuellen medialen Darstellungen sowie die Analyse von Karikaturen alter Frauen. Das Resultat macht deutlich, wie gerade bildliche Darstellungen an der Herstellung von „Unsichtbarkeit“ mitwirken (können). Der nächste Schritt sind problemzentrierte Interviews mit Frauen im Alter zwischen 56 und 73 Jahren. Deren eigener Standpunkt zum Thema Alter, bezogen auf die individuelle und gesellschaftliche Ebene, wurde ebenso erhoben wie ihre (Selbst-)Positionierung innerhalb oder außerhalb des Feminismus.

 

Die Analyse von fünf explizit feministischen Zeitschriften ist das Zentrum der Arbeit. An Beispielen aus den Bereichen allgemein feministischer, feministisch-theologischer und wissenschaftlicher Publikationen wurden die Jahrgänge 1991 bis 2000 untersucht. Nach einem kurzen Blick auf die Buchproduktion von frauenspezifischen Verlagen lautet das Ergebnis der Recherchen: Im Bereich feministischen Denkens und (politischen) Handelns sind alte Frauen (zumindest innerhalb des Zeitraumes der Untersuchung) nicht signifikant weniger von „Unsichtbarkeit“ betroffen als im gesamtgesellschaftlichen Umfeld. „Ageismus“ – die Diskriminierung auf Grund des Alters – sowie Generationenfragen stehen als Ursachen dafür im Vordergrund. Unterschiedliche Auseinandersetzungen mit der aktuellen Situation des Feminismus erhellen den Hintergrund dieses Befundes.

 

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