Forschungsplattform

Brandstetter, Manuela:

Gewalt im sozialen Nahraum ; Chancen und Grenzen kommunaler Prävention im ländlichen Raum Niederösterreichs
Family violence ; primary prevention in rural areas

Das Thema "häusliche bzw. familiäre Gewalt" ist seit seiner Wiederentdeckung in den frühen 60ern als Gewalt gegen Frauen und Kinder und seit den 80ern als „sexueller Kindesmissbrauch“ in Medien und Öffentlichkeit überrepräsentiert, in den Wissenschaften hingegen „untererforscht“ (Honig 1992:22). Insbesondere im Hinblick auf eine disziplinenübergreifende Forschung nach Ursachen und vorbeugenden Strategien ist man – für den angloamerikanischen wie deutschsprachigen Raum zusammengefasst ausgedrückt - nach wie vor „weit davon entfernt, einheitliche Theorien, Konzepte und Methoden anzuwenden“ (Godenzi 1996:21). Was sich durch den „Gewaltdiskurs“ (Albrecht 2001:10) in seiner medialen Aufbereitung verändert hat, ist die rechts- sowie wohlfahrtsstaatlichen Betrachtung und Behandlung des Problems. Die Einführung des Gewaltschutzgesetzes, die Veränderung strafrechtlicher Bestimmungen und anderer legistischer Maßnahmen (aus der Exekutionsordnung, aus dem Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuch, dem Sicherheitspolizeigesetz u. a.) der 90er haben insbesondere in Österreich eine gezielte Einflussnahme in Fällen „familiärer Gewalt“ ermöglicht und das Thema aus seiner Tabuisierung „geholt“: >Gewalt im sozialen Nahraum< verbleibt damit nicht länger in der „familiären Privatheit“. Die gegenständliche Arbeit knüpft an die aktuellen sozialwissenschaftlichen und kriminologischen Diskurse zu „Gewalt im sozialen Nahraum“ und „Gewalt“ an und nimmt Bezug auf die in vielen deutschen Bundesländern sowie EU-Staaten installierten Modelle „Kommunaler Kriminalprävention“ in ihrer Umsetzbarkeit für primärpräventive Ansätze und Modelle gegen „Gewalt im sozialen Nahraum“.

 

Die gegenständliche Arbeit ist als Explorativstudie konzipiert, die auf die Primärprävention von häuslicher Gewalt im vorwiegend ländlichen Raum Niederösterreichs abzielt. Forschungsziel ist es, herauszufinden, welche primären Präventionsideen für den ländlichen Raum Niederösterreichs gegenwärtig existieren. Hierzu wird auf Basis der österreichischen Anzeigenstatistik für den Zeitraum 2001 – 2005 für ausgewählte Deliktsbereiche eine sekundäranalytische Annäherung an das Phänomen häuslicher Gewalt im ländlichen Raum geschaffen, interessierende Räume und ExpertInnen für die qualitative Untersuchung ausgewählt sowie eine inhaltliche Grundlage für die Erstellung der Interviewleitfäden gebildet. Die Verteilung der interessierenden Straftatbestände über die politische Bezirke, die Alters- und Geschlechtsgruppierung von Opfern, wie die Verortung jener Räume, in denen eine besonders hohe bzw. geringe Opferbelastung, sowie die jeweiligen Beziehungstypologien, bilden den Gegenstand der ExpertInneninterviews mit RepräsentantInnen aus den Handlungsfeldern Opferschutz/Sicherheit, sowie öffentlicher Verwaltung bzw. Politik und Betroffenen (das sind Opfer) häuslicher Gewalt. Die Implikationen primärer Prävention von „häuslicher Gewalt“ sowie die Prämissen der praktisch vorhandenen Best-Practice-Modell, die vorfindbaren „Kulturen und Strategien des primärpräventiven Arbeitens“ (Godenzi 1996) im ländlichen Raum werden mithilfe des ExpertInnenwissens untersucht, idealtypische Maßnahmen und Strategien für die Entwicklung von primärpräventiven Ansätzen stellen das Ergebnis der vorliegenden Arbeit dar.

 

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